Kino Babylon

Denkmalgerechte Instandsetzung und Restaurierung des Kinos

Leistungsphase 1-8

1928/29 entwarf und realisierte der weit über Berlin hinaus bekannte Architekt Hans Poelzig im Stil der Neuen Sachlichkeit das Filmkunsthaus Babylon, ein Stummfilmkino mit Varieté-Bühne für 1200 Zuschauer am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin Mitte.
1998 bis 2001 wurde der Gebäudekomplex unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten instandgesetzt und der große Kinosaal für heutige Anforderungen ertüchtigt. Hierzu gehören die Reduzierung der Sitzplätze im Großen Saal, dem Einbau von zwei kleineren, übereinander gelegenen Kinosälen im Bereich der ehemaligen Bühne und raumakustische Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik, die ursprünglich auf Orgelmusik (lange Nachhallzeiten) ausgerichtet war. Im Foyer wurde der Zierrat sowjetischer Formenprägung rückgebaut und das Poelzigsche Foyer in Form und Farbe wieder hergestellt.

Hans Poelzig entwarf im Stil der Neuen Sachlichkeit acht Blöcke für die Platzrandbebauung des Bülowplatzes - heute Rosa-Luxemburg-Platz - mit 170 Wohnungen und rund 80 Läden. Nur noch der Babylon-Block mit 56 Wohnungen und integriertem Filmkunsthaus  ist als Block erhalten und wurde 1998 - 2002 im Rahmen des Städtebaulichen Denkmalschutzes und mit Lottomitteln saniert. In seiner radikalen Schlichtheit muss das als Stummfilmkino mit Varieté-Bühne und 1200 Plätzen geplante Babylon damals besonders beeindruckt haben.

1948 und 1952 wurden Saal und Foyer im Sinne sowjetisch geprägter Dekorvorstellungen grundlegend umgestaltet: Der große sphärische Raum, dessen glattgeputzte, ursprünglich in hellem Gelb gehaltenen Wände über Vouten ansatzlos in die Decke führten, wurde mit vergoldeten Gesimsen verziert und unterteilt. Grauer Kannelurenwandputz und bauchige Rangbrüstungen verdrängten die klaren Formen und die intensive Farbigkeit der Poelzigschen Fassung. 

In enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt und dem Betreiberverein Filmkunsthaus Babylon e.V. wurde das Foyer in Poelzig's Fassung von 1929 rückgebaut und der große Kinosaal in seiner Fassung von 1948 restauriert, jedoch mit weiteren Ergänzungen, die sich aus den Forderungen an ein modernes Filmkunsthaus ergaben: Die Sitzplätze wurden auf 447 reduziert und eine versenkbare Cinemascopebildwand vor dem Poelzigschen Proscenium mit der originalen Kinoorgel, den Orgellamellenfeldern, dem Orchestergraben und der Stummfilmbildwand installiert. Zur  Anpassung der Raumakustik an heutige Tonfilmbedingungen wurden stoffbespannte Dämpfungsflächen im Poelzigschen Gelb auf die Wände aufgebracht. Der Oberrang wurde teilweise vom Saal abgetrennt und bietet heute als Rang-Foyer-Erweiterung einen ovalen Raum für Ausstellungen und Empfänge. Auf der ehemaligen Varieté-Bühne wurde ein kleines Studiokino mit 65 Sitzen, darüber ein Diskussionsforum eingerichtet.