Wohnheim für Obdachlose Schlesische Straße 27

Umbau und Modernisierung des Männerobdachlosenheims und Neubau eines 5-geschossigen Erweiterungsbaus

Leistungsphase 1-8

Dieses Projekt begann 1988 mit der Beauftragung unseres Büros durch die S.T.E.R.N GmbH zur Erarbeitung von Vorentwürfen. 1996 wurde das in 2 Bauabschnitten realisierte Obdachlosenheim mit der Sanierung des Altbauteils fertiggestellt und vollständig bezogen.

Obdachlosenheime in bürgerlicher Nachbarschaft wurden in der Regel von dieser vehement abgelehnt. Acht Jahre von der ersten Idee bis zum Einzug belegen das pro und contra bei einem solchen Bauvorhaben. Dabei ging es um nichts mehr, als die menschenunwürdige Unterbringung von wohnungslosen Menschen in 8-Bettzimmern (16 ! qm) und die in den 60er Jahren gebauten sanitären Einrichtungen grundsetzlich positiv zu verändern.

Sozialarbeiter, Betreuer und Psychologen des Bezirks Kreuzberg drängten zur Entwicklung neuer Wohnformen, auch die Beteiligung von Obdachlosen bei der Planung wurde unterstützt. Angesichts der manifesten Obdachlosigkeit von 30.000 - 50.000 Menschen in West-Berlin, mussten neue Möglichkeiten der Unterbringung für wohnungslose Menschen geschaffen werden.

Die unbebaute, 40 m lange Brandwand des nördlichen Nachbarn bot die Möglichkeit, einen schmalen, gefalteten Baukörper als Neubau, den neuen Anforderungen genügend, dort vorzusetzen. Hierdurch konnten auch die Bewohner im Altbau verbleiben, bis der Neubau fertiggestellt war und dann dort einziehen, um den Altbau für seine Modernisierung freizumachen.

Das ausschließlich auf männliche Bewohner zugeschnittene Raumprogramm musste schon kurz nach dem Bezug des Neubaus modifiziert werden, weil bekannt wurde, dass sich die Belegung solcher Heime mit Männern und Frauen besonders positiv auf das Wohnverhalten auswirken würde.

Heute, 2009, wird das seinerzeit als Obdachlosenheim geplante Gebäude als Bürgeramt genutzt und auch von denen besucht, die seinerzeit vehement gegen ein Obdachlosenheim protestiert hatten.

Im Tagespiegel vom 24.11.1996 erschien unter dem Titel - Pestbeulen am Herzen der Städte -  Ein Zeichen der Toleranz: Das Kreuzberger Männerobdach der Architekten Meyer-Rogge+Partner eine kritische Würdigung von Claus Käpplinger.